Missverstehen kann man in jeder Sprache. Wirklich verstehen können wir jedoch meist am besten in unserer eigenen Sprache – der Muttersprache.
Dass es uns um die Muttersprache geht, hat vor allem mit gutem Verstehen zu tun. Denn wir sprechen nicht nur in unserer Muttersprache, sondern denken auch in ihr. Und auch unseren Gefühlen können wir in unserer eigenen, vertrauten Sprache am besten Ausdruck verleihen.
Was für uns selbstverständlich klingt, ist für viele Menschen keineswegs selbstverständlich. Manchmal sind bestimmte Sprachen im öffentlichen Raum sogar verboten oder werden diskriminiert.
Manche Sprachen kommen im Bildungsangebot gar nicht vor. Im Tschad, wo es mehr als 100 Sprachen gibt, müssen die meisten Kinder in einer fremden Sprache lernen. Das stellt sie vor eine große Herausforderung: Wie sollen sie Lesen und Schreiben lernen, wenn sie die Unterrichtssprache kaum verstehen?
Genau hier setzen wir an. Wir sehen es als unseren Auftrag, Grundschulmaterialien in den Muttersprachen zu entwickeln, Lehrer für den Einsatz dieser Materialien auszubilden und sie beim Unterrichten zu begleiten und weiterzuschulen.
Das Programm läuft seit einigen Jahren und hat sich als sehr erfolgreich erwiesen. Die Kinder lernen zunächst, in ihrer Muttersprache zu lesen und zu schreiben. Französisch, die offizielle Sprache des Landes, kommt als Fremdsprache hinzu. Mit jedem Schuljahr nimmt der Französischunterricht zu, bis am Ende der Grundschulzeit vollständig auf Französisch unterrichtet wird.
Es hat sich gezeigt, dass Kinder auf diese Weise wesentlich besser verstehen und lernen können. Das eröffnet ihnen den Weg zu einer Bildung, die weit über mühsames Buchstabieren und Schreiben hinausgeht.
Damit wir unser Leben in all seinen Facetten meistern und gute Entscheidungen treffen können, brauchen wir Bildung und die Möglichkeit, uns auszudrücken. Die Muttersprache bildet dafür eine wichtige Grundlage.
U.

