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Mit Partnern zusammenarbeiten

Im Januar hat unsere Partnerkirche im Tschad, die Église Évangélique du Tchad (EET), ihr 100-jähriges Jubiläum gefeiert. Ein bedeutender Meilenstein, der mit großer Freude begangen wurde. Die EET wurde vor 100 Jahren von kanadischen Missionaren der Sudan United Mission gegründet, deren Schweizer Zweig und sein deutscher Freundeskreis später als Hintergrund zur Gründung der VKTM, heute SAHEL LIFE, wurden. Zugleich ist dieses Jubiläum ein starkes Zeugnis dafür, wie sehr sich die kirchliche Situation – und damit auch die Zusammenarbeit zwischen Kirchen und Missionen – im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Die Lage im Tschad wandelt sich stetig – politisch, kulturell, sprachlich und eben auch kirchlich.

Gott sei Dank ist die christliche Landschaft im Tschad heute nicht mehr dieselbe wie vor einigen Jahrzehnten. Das Christentum ist gewachsen: Gemeinden wurden gegründet, Pastoren und Laien ausgebildet, tragfähige Strukturen aufgebaut, Evangelisten geschult. Kirchenverbände wurden zunehmend selbständig. Heute zählt die EET mehr als 3.000 Ortsgemeinden, etwa drei Millionen Gläubige und 2.500 Pastoren! Das ist ein großer Segen für ein mehrheitlich muslimisch geprägtes Land und ein sichtbares Licht, durch das die frohe Botschaft von Jesus Christus weitergetragen wird.

Dieses Wachstum bringt jedoch auch neue Herausforderungen mit sich. Einheimische Christen stehen vor Aufgaben, die es früher so nicht gab: Neue Strukturen und Infrastrukturen werden benötigt, Fachpersonal wird gesucht, interne Krisen müssen geklärt, Verantwortung übernommen und Finanzen verwaltet werden.

Gleichzeitig stellt dieses Wachstum auch die Missionen im Tschad vor neue Fragen. Unsere Rolle verändert sich. Wir sind herausgefordert, uns anzupassen, neu zu denken und immer wieder auch loszulassen. Wie Eltern, die lernen müssen, ihr erwachsen gewordenes Kind nicht mehr zu führen, sondern zu begleiten, so erleben wir auch die Zusammenarbeit mit unseren Partnern, die heute selbständig und verantwortungsvoll handeln.

Es braucht Mut, bestehende Beziehungen weiterzuentwickeln. Es braucht Kreativität, neue Wege zu suchen. Es braucht Weisheit, um nicht zu bevormunden. Es braucht Demut, um zu erkennen, dass wir oft selbst von unseren Geschwistern vor Ort lernen dürfen. Und es braucht Liebe, um auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten. Wer diese Entwicklung annimmt, entdeckt darin eine große Chance: die Entfaltung des Potenzials der afrikanischen Kirche.

Als Missionswerk fällt es uns nicht immer leicht zu akzeptieren, dass heute deutlich weniger europäische Missionare im Einsatz sind als noch in den 1990er-Jahren. Die Rekrutierung ist schwieriger geworden, die Sicherheitslage – besonders in Kamerun – schränkt Einsätze ein, und ein langfristiges Engagement ist für viele schwieriger geworden. Zugleich bezeugt der Blick auf das Missionsfeld nicht nur ein Weniger unsererseits, sondern vor allem ein Mehr auf afrikanischer Seite.

Die Straßenkinderarbeit in N’Djamena wird – mit europäischer Unterstützung in Verwaltung und Finanzen – heute ausschließlich von tschadischen Geschwistern getragen. Die Station in Abéché wird größtenteils von Einheimischen geleitet. Unsere Partnerkirche in Nord-Kamerun hat 2025 weitgehend selbständig ein neues Gesundheitszentrum gebaut und fördert die Ausbildung ihrer Pastoren in eigener Verantwortung.

Natürlich brauchen wir weiterhin Missionare, die bereit sind, in der Sahel-Region zu dienen. Viele Menschen haben noch keinen Zugang zum Evangelium. Doch diese Mitarbeiter werden heute andere Rollen übernehmen als vor einigen Jahrzehnten. Verantwortung wurde übertragen – und das ist gut, richtig und erstrebenswert.

Loslassen fällt uns manchmal schwer. Umso größer ist unsere Freude über das sichtbare Wachstum der afrikanischen Kirche – ein Wachstum, das wir uns in Europa oft selbst wünschen. Lasst uns weiter in dieser Zusammenarbeit wachsen und unseren Herrn bitten, dass er Wachstum schenkt – in Afrika wie auch in Europa.