Mitarbeiterbericht

Die Geschichte eines Plastikeimers

Hinter unserem Haus haben wir einen Schlüssellochgarten. Bei diesem Konzept hat man den Kompost in der Mitte und ringsherum Beete, die von den vielen Nährstoffen profitieren. Seit unserer Ankunft in Banyo vor zwei Jahren haben wir einiges ausprobiert, um das System zu perfektionieren. Wir hatten einige Probleme damit, Insekten vom Kompost fernzuhalten. Denn wenn sie einmal da sind, dann fressen sie auch gleich an den Pflanzen weiter.

Für dieses Jahr haben wir uns etwas Neues einfallen lassen. Wir haben den größten Eimer gekauft, den man auf dem Markt finden kann. Da er einen Deckel hat, können wir unseren Kompost sicher hineinlegen. Damit die Flüssigkeit aus dem Eimer in das Beet geht, habe ich Löcher in den Boden gebohrt. Als unsere Hausangestellte sah, was ich mit dem Eimer anstellte, sagte sie zu mir: „Wenn ich so einen großen Eimer hätte würde ich meinen Mais darin aufbewahren und nicht Löcher reinbohren.“

Wir erleben immer wieder Situationen, in denen unsere afrikanischen Geschwister und wir als Europäer ganz unterschiedliche Ansichten zu einem Thema haben. Manchmal geht es dabei um triviale Dinge, wie einen Plastikeimer, aber manchmal auch um wichtige Themen. Es ist immer wieder eine Herausforderung für uns, dass eine Sache auch von einem ganz anderen Standpunkt aus betrachtet werden kann. Trotzdem hilft es uns sehr, dabei unseren Horizont zu erweitern und zu merken, dass wir viele Dinge gar nicht bedacht haben, die aber für unsere afrikanischen Geschwister wichtig sind.

Unser Plastikeimer steht jetzt übrigens in unserem Schlüssellochgarten und ist so eine Art Schnellkomposter. Unsere Hausangestellte hat gesehen, wie gut das den Beeten tut, aber wahrscheinlich denkt sie immer noch an ihren Mais, wenn sie die Küchenabfälle hineinwirft.